26.09.2026
Bucerius Kunst Forum: VON MONET BIS PICASSO.
JÜDISCHE KUNSTSAMMLER:INNEN IN DEUTSCHLAND

Das Bucerius Kunstforum in Hamburg hat Kunstsammlungen von jüdischen Sammlern, deren Kunstsammlungen auf vielfältige Weise im III. Reich geraubt wurden, rekonstruiert. Im Mittelpunkt der Ausstellungen stehen 15 Sammlerinnen und Sammler mit ihren Sammlungen. Die zeigen die große Bedeutung ihres sozialen Engagements und ihre kulturpolitischen Leistungen damals, kann aber den Anspruch auf Vollständigkeit nicht erfüllen. Die Ausstellung präsentiert nicht nur bekannte Kunstwerke der klassischen Moderne, sondern zeigt auch Dokumente und Erzählungen der Lebensgeschichte der ehemaligen Kunsteigentümer. Somit zeigt sie auch, dass die jüdischen Sammler bedeutende Förderer moderner Kunstformen waren. Die Ausstellung zeigt rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus der Zeit vom Realismus, dem Impressionismus und Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit. Darunter unter anderem Arbeiten von Paul Cézanne, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modesohn-Becker, Claude Monet, Max Pechstein bis Pablo Picasso. Zwischen 1921 und Ende 1937 lassen sich in Deutschland an 154 Orten jüdische Kunstsammler nachweisen. Das war eine beachtliche Zahl.

Mit den der Kunst der 15 Sammlerinnen und Sammler, die in Hamburg gezeigt werden, lässt sich die Problematik des Kunstraubs der Nationalsozialisten von Sammlungen sichtbar machen, ebenso der Weg, den diese Werke später gingen. Entweder wurden die Eigentümer genötigt, sie zu billig zu verkaufen oder sie mussten bei einer Ausreise die Fluchtsteuer mit Kunst bezahlen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Familien und Einzelpersonen. Jedem ist ein Kabinett gewidmet, in Ergänzung mit ausführlichen Biografien. Auch Rosa Schapire, geboren am 9. September 1874 in Brody, Galizien, Österreich-Ungarn, war nicht nur eine deutsche Kunsthistorikerin auch Kunstsammlerin. Sie beförderte neben den Brücke-Künstlern besonders Karl Schmidt-Rottluff. Früh interessierte sie sich für die zeitgenössisch Moderne Kunst, und studierte Kunstgeschichte an den Universitäten Zürich, Leipzig und Berlin und Heidelberg. In Zeitungen schrieb sie über Ferdinand Hodler und einen Beitrag in der Frankfurter Zeitung über Hamburger Privatgalerien. Seit 1905 lebte sie in Hamburg. 1916 gründete Rosa Schapire gemeinsam mit Ida Dehmel den Frauenbund zur Förderung bildender Kunst.

Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 arbeitete sie bis 1939 im Jüdischen Kulturbund mit. Im Zusammenhang mit der „Ausstellung für entartete Kunst“ 1937 in München wurde sie in ihrer Hamburger Wohnung unter Hausarrest gestellt. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs emigrierte sie nach Großbritannien und rette ihre Schmidt-Rottluff-Sammlung und die Kunstpostkarten. Die Gestapo beschlagnahmte ihre Bibliothek und versteigerte sie mit den zurückgelassenen Kunstwerken für 1.348,30 Reichsmark. Im Exil lebte sie in bescheidenen Verhältnissen. Rosa Schapire starb am 1. Februar 1954 in London in der Tate Gallery, in der Nähe der Schmidt-Rottluff-Bilder, die sie dem Museum überlassen hatte. Eine sehenswerte Ausstellung.
khw


VON MONET BIS PICASSO
JÜDISCHE KUNSTSAMMLER:INNEN IN DEUTSCHLAND
Bis zum 29. März 2027
Bucerius Kunstforum - Alter Wall 12 – 20457 Hamburg

Täglich 11:00 bis 19:00 Uhr – Donnerstag bis 21:00 Uhr
Eintritt 12,00 EUR

Der Katalog 288 Seiten mit 120 Abbildungen Hirmer Verlag
in der Ausstellung 45,00 EUR

DER Katalog