21.09.2026
Ursula Muscheler: NICHT ALLES WAR BAUHAUS –
Bei der Spurensuche nach einer neuen Architektur

Das Bauhaus musste bereits noch vor dem 30. Januar 1933 seine Hochschule schließen, da die NSDAP die Gemeinderatswahlen in Dessau gewann. So wurde noch der Übernahme der Macht durch die Nazis der Lehrbetrieb in Dessau abgebrochen. Es verließen der Gründer Walter Gropius mit und Lehrer Lászlo Moholy-Nagy und Ludwig Mies van der Rohe das Bauhaus und exilierten in die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Für Hitler, Goebbels und Göhring war die Bauhauskunst nicht völkisch genug, denn sie glorifizierte auch nicht den „Arischen Menschen“. Aus der Weimarer Republik formten die Nazis das „Deutsche Reich“. Nach der bedingungslosen Kapitulation mit dem Zusatz „Zu Lande, zu Wasser und in der Luft“, zuerst in der Nacht zum 7. Mai in Reims für die Westalliierten General Walter Bedell Smith, General Iwan Susloparow für die Sowjetunion und General François Sevez als französischer Vertreter. Das wiederholte sich in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai im Hauptquartier der Roten Armee in Berlin-Karlshorst, hier unterzeichnete der Marschall Georgi Schuko die Kapitulation. Am 8. Mai 1945 hörte das „Deutsche Reich“ klanglos auf.

Erst spät entdeckte der Arbeiter- und Bauernstaat DDR das Bauhaus als kulturelles Erbe. Zum 50-jährigen Bestehen ließ die DDR das Bauhausgebäude denkmalgerecht rekonstruieren und begründete das „Wissenschaftlich-Kulturelles Zentrum“ (WKZ). Mit dem WKZ begann der Aufbau einer Sammlung und die Bauhausbühne wurde reaktiviert. In der DDR fanden in den Werkstatträumen Weiterbildungs- und Entwurfsseminare der DDR-Bauakademie, der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar und des Amtes für industrielle Formgestaltung statt. Die DDR feierte 1986 die Wiedereröffnung des Bauhauses als „Zentrum für Gestaltung“. Nach dem 3. Oktober 1990 hat sich in Dessau einiges geändert. Aus dem „Zentrum für Gestaltung“ ist die Stiftung Bauhaus Dessau mit Sitz in Dessau-Roßlau geworden. Die Stiftung wurde 1994 von Bundesregierung gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt und der Stadt Dessau gegründet.

Die Bauhausstiftung ist nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom Wahlgewinner der „Alternative für Deutschland“ (AfD) stark gefährdet. Der Landesverbband AfD hat mit einem Stimmenanteil von 43,8 Prozent die Wahl im September 2026 gewonnen, wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingeschätzt. Was das bei der Einstellung der AfD für Kunst, Kultur und Migranten bedeutet, wenn diese Partei regiert, kann sich heute ein 1932 wiederholen.

Die Autorin hat über das Bauhaus bereits mehrere Bücher geschrieben so „Ein Haus, ein Stuhl, ein Auto“ und „Möbel, Kunst und feine Nerven“. In dem neuen Buch verfolgt Ursula Muscheler die Lebensläufe von Hans Poelzig, Otto Königsberger, Kurt Liebknecht dem Neffen von Karl Liebknecht, Walter Segal, Julius Posener, Rudolf Hamburger und Herman Tweigenthal. Hans Poelzigs Architektur war beiden Nazis nicht gefragt, kurz vor seiner Ausreise in die Türkei starb er. Andere hat erst nach1945 Glück, so sagen wurde Rudolf Hamburger der Chefarchitekt von Hoyerswerda.

Was hätte aus ihnen werden können, wenn der Österreicher Adolf Hitler in der Alpenrepublik geblieben wäre, nicht in die Weimarer Republik gekommen wäre. Und erneut droht fürs Bauhaus wieder eine Gefahr nach der Wahl am 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt. Lesenswert.
khw


Ursula Muscheler: NICHT ALLES WAR BAUHAUS
Bei der Suche nach einer neuen Architektur

Osburg Verlag, Hamburg 2026
250 Seiten – geb. 25,00 EUR