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Da sich Karajan im Umgang mit der politischen Macht sowohl von ihr instrumentalisieren ließ wie im Gegenzug ihrer bediente, war es naheliegend, dieses Thema auf die Nachkriegsstationen Salzburg, Wien und Berlin weiterzuverfolgen und damit auch zu analysieren, wie er mit dieser Vergangenheit – die eine kollektive war – während seiner zweiten Karriere umging. Der Verfasser dieses Buches ist davon überzeugt, dass man Karajans ästhetisches und musikpolitisches Vermächtnis, das sich in seinen Tätigkeiten als Opern- und Filmregisseur vielleicht am deutlichsten niederschlägt, von solchen Erfahrungen und Entscheidungen nicht trennen kann. Macht und Ohnmacht von Karajans entschieden Versuchung von künstlerischer und politischer Sphäre, die er ebenso entschieden voneinander zu trennen behauptete, spiegelt sich darin wider.«
So erfährt der Leser inwieweit Karajans Stil in Haltung sowie Verhalten während des Nationalsozialismus wurzelt. Wolfgang Rathert nimmt Karajan nicht in Schutz gegen Vorwürfe der Nähe zu den Nazis wie Michael Wolffson, sondern zeigt extensiv seine NS-Überzeugung an Beispielen aus Karajans Aachener Jahren als Generalmusikdirektor am Theater der Stadt. So wählte Karajan NS-Treue Komponisten für die Konzertprogramme aus. Das Urteil von Rathert Karajan war nicht unpolitisch. Dazu zeigt Karajan auch nach 1945, immer wieder hat er auf Merkmale von Faschismus und Futurismus zurückgegriffen. Lesenswert.
Khw
Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan
Macht -Ohnmacht – Vermächtnis
edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München 2026
346 Seiten – s/w Abb., kartoniert – 29,00 EUR
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