23.09.2026
Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan – Macht – Ohnmacht – Vermächtnis

Der Autor Wolfgang Rathert, am 17. Juli 1960 in Minden geboren, ist Musikwissenschaftler sowie ein Musikbibliothekar. Während seiner Schulzeit legte er die C-Prüfung als Kirchenmusiker ab und erwarb das Abitur am Herder-Gymnasium Minden. Nach dem Zivildienst studierte er von 1980 bis 1987 an der Freien Universität Berlin historische Musikwissenschaft, Philosophie und neuere Geschichte. Vom Musikwissenschaftler Rudolf Stephan wurde er für seine Arbeit über den US-amerikanischen Komponisten Charles Ives 1987 zum Dr. phil. promoviert. Danach war er Mitarbeiter beim Handbuch der historischen Buchbestände, hatte weiter ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Postdoktorand an der Paul-Sacher-Stiftung in Basel. Ab 1889 bis 1991 eine Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar an der Staatsbibliothek zu Berlin und an der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen in Köln, die er mit einer Arbeit über historische Opernlibretti der Musikabteilung der Berliner Staatsbibliothek abschloss. Danach leitete er die Abteilung Musik und darstellende Kunst der Bibliothek der Universität der Künste Berlin. Es folgten von 1994/1995 die Leitung der Musikabteilung der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden. Ab 1996 bis 2002 Lehrbeauftragter / Privatdozent an der Humboldt-Universität, an der er sich unter dem Mentorat von Hermann Danuser habilitierte. Rathert wurde 2002 als Professor für historische Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt 20. Jahrhundert und neue Musik an das Institut für Musikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität berufen.

Seit 2012 gehört Wolfgang Rathert mehren Musikstiftungen an, ist Vorsitzender der Jury des Schneider-Schott -Musikpreises Mainz und ist im Beirat des Deutschen Musikarchiv.

Im Klappentext zu Wolfgang Rathert Buch über „Herbert von Karajan – Macht – Ohnmacht Vermächtnis“ steht: »Unter den großen Dirigenten des 20. Jahrhundert stellt Herbert von Karajan (1908–1989) wohl die weltweit berühmteste, zugleich aber am schwersten fassbare Erscheinung dar. Diese paradoxe Feststellung resultiert aus den Widersprüchen einer komplexen Persönlichkeit und künstlerischen Karriere im Bann der Politik.

Auf Grundlage zeitlich neuer oder bislang unbekannter Dokumente setzt dieses Buch die notwendige Entmythisierung Karajans und seines Vermächtnisses im Licht einer Dialektik von Macht und Ohnmacht fort.«

Wolfgang Rathert schreibt im Vorwort: »Durch neue Archivfunde stellen sich nach Auffassung des Autors einige wesentliche Aspekte von Karajans Biografie der Jahre 1933 – 45 in einem anderen Licht dar. Für die Darstellung bedeutete dies zunächst eine Verschiebung der Gewichte hin zu Karajans erster Karriere in Ulm, Aachen und Berlin.

Da sich Karajan im Umgang mit der politischen Macht sowohl von ihr instrumentalisieren ließ wie im Gegenzug ihrer bediente, war es naheliegend, dieses Thema auf die Nachkriegsstationen Salzburg, Wien und Berlin weiterzuverfolgen und damit auch zu analysieren, wie er mit dieser Vergangenheit – die eine kollektive war – während seiner zweiten Karriere umging. Der Verfasser dieses Buches ist davon überzeugt, dass man Karajans ästhetisches und musikpolitisches Vermächtnis, das sich in seinen Tätigkeiten als Opern- und Filmregisseur vielleicht am deutlichsten niederschlägt, von solchen Erfahrungen und Entscheidungen nicht trennen kann. Macht und Ohnmacht von Karajans entschieden Versuchung von künstlerischer und politischer Sphäre, die er ebenso entschieden voneinander zu trennen behauptete, spiegelt sich darin wider.«

So erfährt der Leser inwieweit Karajans Stil in Haltung sowie Verhalten während des Nationalsozialismus wurzelt. Wolfgang Rathert nimmt Karajan nicht in Schutz gegen Vorwürfe der Nähe zu den Nazis wie Michael Wolffson, sondern zeigt extensiv seine NS-Überzeugung an Beispielen aus Karajans Aachener Jahren als Generalmusikdirektor am Theater der Stadt. So wählte Karajan NS-Treue Komponisten für die Konzertprogramme aus. Das Urteil von Rathert Karajan war nicht unpolitisch. Dazu zeigt Karajan auch nach 1945, immer wieder hat er auf Merkmale von Faschismus und Futurismus zurückgegriffen. Lesenswert.
Khw


Wolfgang Rathert: Herbert von Karajan
Macht -Ohnmacht – Vermächtnis

edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München 2026
346 Seiten – s/w Abb., kartoniert – 29,00 EUR