23.09.2026
Gerti Tetzner: Gegen Wind – Roman

Die Autorin Gerti Tetzner geboren am 29. November 1936 in Wiegleben, Thüringen, studierte nach ihrem Abitur 1955 bis 1959 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Rechtswissenschaft mit dem Staatsexamen als Abschluss. Nach drei Jahren im Bezirk als Notarin gibt sie den juristischen Beruf auf und ist seit 1962 freie Schriftstellerin. Zum Anfang noch mit mehreren Nebentätigkeiten bei der Post und in einer Spinnerei. Vom Kursus 1966 am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig wurde sie zwei Jahre später zwangsweise exmatrikuliert. In den folgenden Jahren stand sie im Rahmen eines operativen Vorgangs unter der Beobachtung der Staatssicherheit. Nach dem Umbruch – auch Wende genannt – arbeitet sie als ABM-Kraft in einer Schuldnerberatungsstelle.

Als Autorin wurde Gerti Tetzner durch ihren Roman „Karen W.“ bekannt, an dem sie seit Mitte der Sechzigerjahre gearbeitet hatte, das in ähnlicher Weise wie Brigitte Reimann und Christ Wolf das Schicksal einer Frau schildert, die sich in einem Konflikt zwischen dem Wunsch von Selbstverwirklichung und persönlichem Glück und den Ansprüchen der DDR-Gesellschaft steht. Bei Tetzner gibt die Protagonistin ihre berufliche Karriere auf, kehrt in ihre Heimat in die Provinz zurück. Der Roman mehrere Auflagen in beiden Deutschen Staaten. Der zweite Roman „Die Oase“ durfte 1981 in der DDR nicht veröffentlicht werden, von nun an schrieb Gerti Tetzner Kinderbücher.

Jetzt ist der Roman „Die Oase“ unter dem Titel „Gegen Wind“ nach 45 Jahren im Aufbau Verlag erschienen. War es im Roman „Karen W“ eine junge Frau, die auf der Suche nach ihrem eigenen Weg ist, dabei der Staat in ihre Karriere im Beruf eingreift, sie zurückkehrt in die Heimat war es in dem verbotenen Roman „Die Oase“ einen ganzen Schritt weiter. Im Mittelpunkt des verbotenen Romans jetzt mit dem Titel „Gegen Wind“ veröffentlicht, steht wieder eine eigenwillige Frau, die am System scheitert, wobei fast ihr. Lebenswille zerbricht.

Auf der Rückseite heißt es: Kristina glaubt an das, was noch wachsen kann. Als Leiterin eines Kindergartens findet sie Wege, starre Vorgaben zu umgehen. Und so entsteht vor ihrem Kinderhaus ein grüner Garten, dem Schotterboden des Neubarviertels abgerungen – eine Oase, frei von Kontrolle. Doch als ein Sündenbock gesucht wird, richtet sich das bislang unsichtbare Räderwerk der Macht gegen ihre Welt.

Im Anhang des Bandes »Ich habe immer die Utopien im Alltag gesucht« ein Gespräch Gerti Tetzner mit Carsten Gansel. Lesenswert.
khw


Gerti Tetzner: Gegen Wind

Aufbau Verlag, Berlin 2026
240 Seiten – geb. – 24,00 EUR