23.09.2026
Erich Loest: Mensch, was haben wir nicht alles hinter uns – Briefe 1953 – 2013

Erich Loest, geboren am 24. Februar 1926, gestorben am 12. September 2013 in Leipzig, war ein deutscher Schriftsteller, der auch unter Pseudonymen schrieb. Im Auftrag der Medien-, Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig hat Thomas Mayer die Briefe von Erich Loest aus den Jahren von 1953 bis 2013 herausgegeben. In dem Vorwort heißt es: „Erich Loest wäre 2026 einhundert Jahre alt geworden, dieser Geburtstag ist der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig und ihrer Stiftung Verpflichtung, ihn mit einer Brief-Edition zu würdigen. Dass dieses Jubiläum mit dem 200. Geburtsjahr der Sparkasse, die 1826 ganz in der Nähe ihrer heutigen Hauptstelle in Löhrs Carré mit bürgerlichem Engagement gegründet worden war, zusammenfällt, ist eine wunderbare Duplizität der Ereignisse.“

Unter: „Erich Loest ging seinen Gang – Leben, Bücher, Briefe“ schreibt der Herausgeber Thomas Mayer: Erich Loest hat mit seinem Leben und Werk manch Eintrag in der (Literatur)-Geschichte hinterlassen. So in eine Kirche, die in einem Roman den Namen gibt, wenn nicht sogar einmalig. Loest sorgte mit „Nikolaikirche“ dafür. Auch die Trauerfeier fand für den am 12. September 2013 im Alter von 87 Jahren Verstorbenen an diesem geschichtsträchtigen Ort in Leipzig statt. „Es geht nichts mehr seinen gewohnten Gang“, sagte Martin Henker, Superintendent des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirks, in Erinnerung an jene Stunde, als er von Loests Sterben erfuhr. Nicht anders erging es Oberbürgermeister Burkhard Jung: „Erich Loest fehlt uns schon jetzt.“ Werner Schulz, Bürgerrechtler, Bundestagsabgeordneter, EU-Parlamentarier der Bündnis-Grünen, in seiner Gedenkrede in St. Nikolai: „Es war ein grauer Vormittag in Brüssel, Freitag, der 13. und dann wie ein Hammerschlag die Nachricht von Erich Loests Tod …“ Der Autor und Zeitgeist, Mahner und Quälgeist Loest fehlt. Leipzig hatte es ihm nicht leicht gemacht. Er konnte knurrig und unnahbar sein, aber auch offen und geradeheraus. Er teilte aus und steckte ein. Schulz hatte den Freund wenige Wochen vor seinem Tode zu Hause besucht. Es gab zu essen, ein trefflicher Braten stand auf dem Tisch, dazu Wein aus dem Elsass und interessante Gespräche sozusagen als Kompott. „Gutes Essen war wichtig für ihn wie für viele, die einmal aus dem Blechnapf gefressen mussten“, womit Schulz die Ur-Erfahrung im Leben dieses Schriftstellers, dessen Zuchthausjahre im Stasi-Gefängnis Bautzen II ansprach.

Erich Loest Biografie: Als Sohn eines Kaufmanns geboren, trat im April 1944 der NSDAP bei, leistete nach dem Besuch einer Oberschule drei Wochen lang Kriegsdienst als Werwolf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Arbeit in der Landwirtschaft und den Leuna-Werken ist von 1947 bis 1950 erst Volontär dann Redakteur der „Leipziger Volkszeitung“. Mit dem Roman „Jungen die übrigblieben“ wird Loest als Schriftsteller bekannt. Als Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes in Leipzig und als Mitglied der SED unterstützte er die Regierung bis zum 17. Juni 1953. Mit seiner Kritik an der Niederschlagung des Aufstands beginnen für Loest die Konflikte in der DDR. 1979 Austritt aus dem DDR-Schriftstellerverband, 1981 Übersiedlung in die Bundesrepublik, seine Familie folgt ein Jahr später. Seine Biografie „Durch die Erde ein Riss“ erscheint Anfang der 1990er Jahre hat Loest Kenntnis davon, was in seiner Stasiakte steht. Ehrenbürger der Stadt Leipzig wird Erich Loest 1996.

Ausgewählt wurden für den Band 489 Briefe aus dem Erich-Loest-Archiv der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse. Eine lesenswerte Zeitgeschichte.
khw


Erich Loest – Mensch, was haben wir nicht alles hinter uns
Briefe1953 - 2013

Steidl Verlag, Göttingen 2026
576 Seiten – illustriert – 28,00 EUR