25.06.2026
RUTH MAIER »Es wartet doch so viel auf mich …«
Tagebücher und Briefe, Wien 1933 – Oslo 1942
Herausgeben von Jan Erik Vold

Jan Erik Vold, am 18. Oktober 1939 in Oslo/Norwegen geboren, ist ein norwegischer Lyriker, Übersetzer, Literaturvermittler und Musiker, der die Tagebücher von Ruth Maier übersetzte, einer die jetzt auch in Deutsch Österreich vorliegen. Es ist die Geschichte einer achtzehnjährigen Jüdin aus Wien, die vor dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtling 1939 aus Österreich nach Norwegen kam und hier drei Jahre lebte. Im Spätherbst 1942 wird sie während der großen Judenaktion der Deutschen Besatzer mit weiteren 500 Jüdinnen und Juden verhaftet und mit dem Schiff »Donau« nach Polen ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo im Alter von 22 Jahren starb.

Ruth Maier wohnte in der Kleinstadt Lillestrøm, 30 Kilometer von Oslo entfernt, konnte hier 1940 ihr Abitur machen. Hier lernte sie Gunvor Hofmo kennen, mit der sie durch Norwegen fuhr, wo sie an verschiedenen Orten arbeitete. Im September 1942 bezog sie ein kleines Zimmer in einer Pension in Oslo, belegte Abendkurse an der Kunst- und Handwerksschule. Mit dem Bemalen von Souvenirs und Modellstehen für Künstler verdiente sich Geld.

Aus Ruth Maiers 8. Tagebuch ist bekannt, dass 188 Frauen, 42 Kinder und 116 ältere Männer, sofort nach ihrer Ankunft im KZ Auschwitz in die Gaskammer geführt wurden, ihre Leichen im Freien verbrannt, auch gibt es keine Totenscheine.

Erinnerungen an Ruth Maier gibt es an zwei Stellen in Oslo: am Mahnmal für jüdische Kriegsopfer auf dem Friedhof der Stadt Østre Gravlund und auf einer Erinnerungstafel der Kunst- und Handwerkerschule. Ein Stolperstein wurde auf dem Bürgersteig vor der Pension in Oslo gesetzt, dann wurde 10 Jahre später ein Platz in der Nähe nach ihr benannt. In Wien wurde ihr Name auf dem Grabstein der Eltern auf dem Döblinger Friedhof dazugesetzt.

Die Familie von Ruth Maier gehörte zu den säkularen Juden der österreichischen Hauptstadt Wien. Durch Hitlers Annektierung Österreich am 12. März 1938 wurden die 180000 Juden in Wien zu sozialen Außenseitern und geächteten Staatsfeinden. Schikanen auf offener Straße, Plünderungen von Geschäften und antijüdische Paraloren gehörten ebenso zur Tagesordnung wie Verhaftungen und Morde. Das führte alles zum Novemberpogrom in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Der 10. November war der achtzehnte Geburtstag von Ruth Maier.

Aus Ruth Maiers 8 Tagebüchern hat Jan Erik Vold einen Tagebuchband geschaffen, das erinnert an die sechs Millionen Juden, die durch den Naziterror ihr Leben verloren. Ein Buch, das an die Shoa erinnert von der wir hoffen, dass sowas nie wieder passiert. Lesenswert.
khw


RUTH MAIER »Es wartet doch so viel auch mich …«
Tagebücher und Briefe, Wien 1933 – Oslo 1942
herausgegeben von Jan Erik Vold

mandelbaum verlag – Wien 2026
432 Seiten -zahlreiche Fotos – 28,00 EUR