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24.06.2026
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Michaela Raggam-Blesch, Dieter J. Hecht, Heidemarie Uhl
DER WIENER NORDBAHNHOF ALS DEPORTATIONSORT
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Im Vorwort schreibt das Autorenkollektiv: Diese Publikation ist aus einem Projekt am Institut für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hervorgegangen, das unter der Leitung von Heidemarie Uhl stand und von der Stadt Wien, Magistratsabteilung 7 – Kultur, Wissenschaft- und Forschung unterstütz wurde. Ziel des Projekts war es, die Deportationen vom Wiener Nordbandhof in den Jahren 1943 bis 1945 auf Grundlage des vorhandenen Quellenlage umfassend zu dokumentieren und zu analysieren.
Durch die nationalsozialistische Machtergreifung und den »Anschluss« am 11./12. März 1938 wurden die Österreicherinnen und Österreicher von einem Tag auf den anderen zu einer verfolgten Minderheit. Während der NS-Staat in Deutschland 1933 die jüdische Bevölkerung schrittweise entrechtet hatte, traten in Österreich sämtliche Gesetze und Verordnungen mit einem Schlag in Kraft. Von Beginn an waren Gewaltakte und willkürliche Verhaftungen an der Tagesordnung. Noch in den Nachtstunden des 11. März 1938 setzten antisemitische Pogrome auf den Straßen von Wien ein; tagelang wurden Jüdinnen und Juden gezwungen, die Österreich-Parolen für die von der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur geplante Volksbefragung über ein unabhängiges Österreich von den Straßen und Wänden der Stadt zu entfernen. Die jüdische Bevölkerung war damit praktisch über Nacht schutz- und rechtlos geworden. Mit dem Inkrafttreten der »Nürnberger Rassengesetze« am 20. Mai 1938 galten 20100 Österreicherinnen und Österreicher als jüdisch, davon über 180000 in Wien – rund 10 Prozent der Stadtbevölkerung. Vor dem »Anschluss« bestand Österreich aus 34 Israelitischen Kultusgemeinden, wobei die Israelitische Kultusgemeinde Wien mit Abstand die Größte war. Nach der Volkzählung von 1934 waren es 176034 Mitglieder, in allen übrigen Gemeinden waren es 15424 Personen.
Nur wenige Tage nach dem »Anschluss«, am 18. März 1938, führten Gestapo und SD eine Razia in den Räumen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien durch, wobei führende Vorstandsmitglieder verhaftet wurden.
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An dieser Verhaftungsaktion beteiligt war Adolf Eichmann, der bald darauf in Österreich bei der Verfolgung von Jüdinnen und Juden eine Schlüsselrolle spielte. Zur weiteren Umsetzung der NS-Politik gründete sich im August 1938 unter Eichmanns Leitung die »Zentralstelle für jüdische Auswanderung «. Zwischen 1939 und 1945 organisierte in Wien die »Zentralstelle für jüdische Auswanderung« und nach deren Auflösung ab 1943 die Gestapo mindestens 94 Transporte. Zwischen 1939 und 1945 wurden 48994 Personen aus Österreich deportiert, die von den Nationalsozilisten als jüdisch definiert wurden. Nach den neuesten Berechnungen sind nur 2088 Überlebende der Deportierten bekannt. Eine genaue Zahl der Deportierten, die insbesondere von der Gestapo organisierten Schutzhafttransporte nach Auschwitz lassen sicg wegen lückenhafter Unterlagen nicht zuverlässig rekonstruieren.
Während der Wiener Aspangbahnhof als der Hauptort für die Deportation von 45500 Jüdinnen und Juden im Gedächtnis stark verankert ist, rückt das Buch den Nordbahnhof ins Gedächtnis. Von hier wurden 33 Transporte nach Auschwitz und Theresienstadt durchgeführt. Die Autoren beleuchten die Abläufe und zeichnen erschütternde Biografien der Betroffenen nach. Lesenswert
khw
Michaela Raggam-Blesch, Dieter J. Hecht, Heidemarie Uhl
DER WIENER NORDBAHNHOF ALS DEPORATATIONSORT
mandelbaum verlag, Wien 2026
155 Seiten – zahlreiche Fotos – 20,00 EUR
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