24.06.2026
SVENJA FALK: Die letzten Tage der Diktatur
Spione, Drahtzieher und das Ende der Nazi-Herrschaft

Die Autorin Svenja Falk bringt endlich Klarheit darüber, wenn auch mit Verspätung, warum nach der Bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht zuerst am 8. Mai 1945 in Reims/Frankreich für die Alliierten Expeditionsstreitkräfte und am 9. Mai durch die Rote Armee in Berlin-Karlshorst es noch bis zum 23. Mai 2025 die Regierung Dönitz in Flensburg gab.

Der Großadmiral Karl Dönitz wird am 29. April 1945 von Adolf Hitler persönlich zu seinem Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt. Einen Tag später begeht er gemeinsam mit Eva Braun, die er kurz zu vor noch geheiratet hat, Selbstmord.

In Kenntnis von seiner Ernennung verlegt Dönitz seinen Regierungssitz am 2. Mai von Plön nach Flensburg und bezieht Flensburg die Marineschule Mürwik und auf das Hapag-Schiff Patria als Regierungssitz. Bis zum 23. Mai wird von hieraus regiert, selbst ein Todesurteil ausgesprochen und ausgeführt, auch ein Ritterkreuz verliehen. Das geschah am 10. Mai, da verlieh der Großadmiral Dönitz als Vorsitzender der Reichsregierung dem Mitglied der Regierung als Minister, dem Generaloberst Alfred Jodl das Ritterkreuz mit Eichenlaub. Zwei Jahre später wurde Jodl vom Internationalen Gerichtshof in Nürnberg am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verteilt, am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet.

In der Form eines Tagebuches erzählt Svenja Falk die Geschichte der Regierung Dönitz, die am 2. Mai 1945 in Flensburg beginnt und mit der Verhaftung der nationalsozialistischen Gespensterregierung in Marineschule Flensburg-Mürwik wie dem Schiff Patria am 23. Mai durch ihre Verhaftung durch das britische Militär endet.

Kein Wort im Buch davon, das die Verhaftung der Dönitz-Regierung erst auf Druck der Sowjetunion erfolgte. Das Foto vom Großadmiral Karl Dönitz im Buch zeigt, wie er sich sah im NS-Staat, dabei hat er nie seine Mittäterschaft am Holocaust verleugnet. Auch das er als Führer der U-Boote-Waffe mehr als 30000 Personen in seinen U-Booten den Särgen aus Stahl in den Tod geschickt hat.

Im Vorwort schreibt die Autorin: „Flensburg, fragte mein Gesprächspartner aus London, kaum hatte ich den Namen meiner Heimatstadt erwähnt. »War das nicht der letzte Sitz der NS-Regierung?« Offensichtlich wusste er mehr als ich. Und ich fragte mich, warum mir als geborene Flensburgerin dieses Kapitel der nationalsozialistischen Geschichte so fremd war. Neugierig begann ich zu recherchieren – und stellte schnell fest, dass ich mit meiner Wissenslücke nicht allein war. Diese Episode am Ende des »Dritten Reichs« findet wenig Beachtung. Es ist eine Zeit, die fast wie ein blinder Fleck zwischen den großen Kapiteln und Neuanfang, zwischen Schuld und Verdrängung.“

Hilfreich auch die Kurzbiographien der Personen die im Buch genannt sind. Lesenswert.
khw


SVENJA FALK: Die letzten Tage der Diktatur
Spione, Drahtzieher und das Ende der Naziherrschaft

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026
256 Seiten, zahlreiche Fotos, geb., 24,00 EUR