19.06.2026
JILL LEPORE – WE THE PEOPLE – Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung

Im Klappentext steht: Am berühmten «Fourth of July» feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Doch das Land ist gespalten wie nie und sein egomaner Präsident betreibt den Umbau der Republik zu einem autoritär regierten Staat. Da kommt das furiose neue Buch von Jill Lepore gerade zur rechten Zeit. Die Bestsellerautorin und Harvard-Professorin erzählt darin die Geschichte der USA im Spiegel ihrer Verfassung -all die Kämpfe um das «wahre» Amerika, die bis heute anhalten. Akribisch recherchiert und großartig geschrieben, hat Lepore das wohl außergewöhnliche Buch über die Geschichte einer Verfassung vorgelegt, das jemals geschrieben wurde.

Die Autorin leitet ihre Verfassungsgeschichte mit einem Gespräch zwischen den Freunden Bugs Bunny und Daffy Duck mit „Sie war bestimmt dazu! Geändert zu werden!“ bezeichnet den Wortwechsel als «An Ode to the Amendments of the U.S. Constitution» übersetzt „eine Ode an die Änderungen der US-Verfassung“.

Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 wie die Verfassung von 1787 und das BILL of Rights die 1791 ratifiziert wurde, liegen in der gekühlten Rotunde für die Charters of Freedom im Washington, D.C. Hinter Licht, das die einmaligen und wertvollen Pergamentseiten nicht weiter altern lässt.

Das Buch, 920 Seiten ist keine neue Verfassungsgeschichte. Die Autorin erzählt stattdessen die Geschichte der Verfassungsänderungen und ihr scheitern. Unter allen republikanischen Verfassungen, die heute noch in Kraft sind, stellt die USA eine der ältesten dar. Änderungsvorschläge sind theoretisch möglich, aber in der Praxis außerordentlich umzusetzen. Trotzdem wurden etwa 12000 Verfassungsänderungen vorgeschlagen, davon wurden nur 27 erfolgreiche Zusatzartikel der Verfassung. Die Hürden für eine Änderung der Verfassung sind besonders hoch gesetzt, damit wird auch eine Garantie für die Stabilität der Verfassung erfüllt. Nach einer gescheiterten Änderung der US-Verfassung verabschiedete der Senat und das Repräsentantenhaus 1861 folgende Zeilen: «An der Verfassung darf keine Änderung vorgenommen werden, die den Kongress autorisiert oder ihm Machtbefugnisse verleiht, in irgendeinem Staat die dortigen Institutionen abzuschaffen oder zu verändern, einschließlich der von Personen, die nach dem Gesetz des besagten Staates in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis gehalten werden.»

Meine erste Reise in die Vereinigten Staaten von Nordamerika war 1963 mit der alten Hanseatic von Cuxhaven nach New York. In diesen Jahren besaß die Hansestadt noch einen Kai in Cuxhaven. Es war eine ruhige Seereise von sechs Tagen über den Atlantik. Unterwegs für einen Film der Esso AG über die Eroberung des Weltalls mit dem Titel „Zum Mond und weiter“. Über Cape Kennedy ging unsere Fahrt mit dem Stationcar weiter in Richtung San Antonio. So kam ich auch an New Orleans vorbei, das vom Hochwasser noch nicht verstört war. Am Mississippi standen weiße Parkbänke mit schwarzer Schrift „Only for white“. Das Land ist immer noch ein rassistisches Land gegenüber den Ureinwohnern und den Afrikanern, die nach hier als Sklaven verschleppt wurden. Ursache des Sezessionskriegs zwischen den Nord- und den Südstaaten eine tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung der durch die Wahl von Abraham Lincoln zum 16. US-Präsidenten. Die meisten Südstaaten traten im Winter 1860/61 aus der Union aus. Der Bürgerkrieg begann am 18. April 1861 mit der Beschießung von Fort Sumiers durch Konföderierte. Der Krieg endete am 23. Juni 1865 mit der Kapitulation der Konföderierten im Indianerterritorium im Westen der USA.

Im Juli 1868 wurde der 14. Zusatzartikel zur Verfassung ratifiziert, der nach dem Bürgerkrieg grundsätzlich gleiche Bürgerrechte und den Schutz durch das Gesetz für alle Personen, unabhängig von der Rasse einräumte. Es wurde durch Urteile wie Plessy v. Ferguson v. 1896 jahrzehntelang umgangen, indem getrennt, aber gleiche Einrichtungen erlaubt wurden. Erst 1954 erklärte in seinem Urteil der Oberste Gerichtshof das Verbot der Rassentrennung an Schulen. 1964 der Cuvil Rights Act endgültig das Verbot von Rassentrennung im öffentlichen Leben. Das Verbot von Mischehen (Loving v. Virginia) wurde 1967 aufgehoben.

Trotzdem bleibt es dabei, dass die Gleichberechtigung aller Bürger in den Vereinigten Staaten von Nordamerika noch immer das große Problem ist. Ob wir es noch erleben, die Gleichberechtigung aller Menschen, die Bürger des Staates sind, mit Fragezeichen versehen.

Das Buch «WE THE PEOPLE» – Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung – von Jill Lepore ist hilfreich bei dem Betrachten der Vorgänge unter dem 47. US-Präsidenten Donald Trump.
khw


JILL LEPORE: „WE THE PEOPLE“
Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung
Aus dem Englischen übersetzt von
Werner Roller und Annabel Zettl

Verlag C.H. Beck, München 2026
920 Seiten – 93 Abbildung, 7 Grafiken – 48,00 EUR