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17.05.2026
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JENISCHPARK - Unerzählte Geschichten seit 1785
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Im Grußwort schreibt Dr. Carsten Brosda (SPD) der als Senator der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg: „Parks und Grünanlagen sind heute Spielwiesen des Lebens. Im Park picknicken, wir spielen mit den Kindern, führen unsere Hunde aus oder treiben Sport. In Gras oder Bäumen lassen sich Vögel beobachten, den Wechsel der Jahreszeiten verfolgen und unser hektisches Leben entschleunigen. Die Vielzahl an Möglichkeiten machen städtische Parks zu Kulminationspunkten menschlicher Kultur, die zu Begegnungen einladen. Welche Relevanz diese Begegnungsräume haben, wurde nicht zuletzt während der Coronapandemie deutlich, in der die öffentlichen Grünanlagen enorm an Bedeutung gewannen – auch als umkämpfte Zonen des Miteinanders, um deren gemeinsame Nutzung gerungen wurde.“
Der Jenischpark entstand privat. Mit dem heute berühmten Elbepark erfüllte sich Caspar Voght, 1752 geboren, seinen Lebenstraum. Ab 1785 kaufte er von Jan van Hoven drei Bauernhöfe in Klein Flottbek und ein Jahr später den Hof von Anton Friedrich von Winthem hinzu. So entstand ein Grundbesitz auf rund 225 Hektar Feld und Wiesen. Nach dem Vorbild des Landsitzes: „The Leasowes“ des Dichters William Shenstone im Westen Englands. Die idyllische Landschaft wurde nach dem umsichtigen Einsatz von Erkenntnissen der Ökologie und Botanik zu einem Paradies entwickelt. Ein Plan aus der Zeit um 1800 macht deutlich. Dass die damalige Anlage, sie reichte bis zur Elbe, drei bis viermal so groß war wie heute der Jenischpark. Im Jahr 1807 wohnte der französische Marschall Bernadotte, der spätere schwedische König Karl XIV. ein Jahr hier. Voght verkaufte 1828 seinen Klein-Fottbeker-Besitz an den Hamburger Senator Martin Johann Jenisch für 137200 Mark. Er beauftragte mit dem Bau einer standesgemäßen Villa den Hamburger Architekten Franz Gustav Joachim Forsmann. Mit diesem Entwurf war Jenisch nicht einverstanden, so bekam der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag, einen Entwurf zu liefern. Aus diesem und seinem Entwurf neu gezeichnet wurde von 1831- 1833 das heutige Haus mit der Säulenhalle gebaut. Die Landwirtschaft setzte der neue Eigentümer nicht fort. Der Besitz wurde in einen Park mit weiten Rasenflächen, die unterbrochen von Baumgruppen, umgestaltet. Hinzu kamen Treibhäuser für Palmen und Orchideen, das war das Hobby des Senators.
Martin Johan Jenisch, dem in Holstein die Güter Blumendorf und Alt-Fresenburg, in Jütland die Herrschaft Halö gehörte, war politisch kein Liberaler, im Senat zähle er zur rechten Fraktion. Zu seinen Freunden gehörte auch der Feudaladel von Mecklenburg. Im September 1845 war der Dänenkönig Christian VIII zu Gast bei Jenisch, der bis zum 30. Oktober1864 auch über den Besitz von Jenisch herrschte. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg im Frieden von Wien musste Dänemark auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg verzichten.
Um die Teilung des Erbes zu verhindern, Namen und Wappen zu erhalten, machte Jenisch aus seinem Besitz den Fideikommiss. Damit blieb das Erbe in einer Hand. Jenisch starb 1857, die Ehe mit Fanny Henriette Roek blieb kinderlos, als der Senator starb. Die Frau erbte den Besitz. Als die Witwe starb, lebte der nächste Erbe Alfred Rücker bereits nicht mehr. So erbte sein ältester Sohn Martin Johann den Namen Jenisch und Besitz. Nach seinem Jurastudium wurde Rücker Jenisch kaiserlicher Diplomat. Kaiser Wilhelm II. verleih ihm als König von Preußen den erblichen Titel Freiherr. Bis zu seinem Tod am 22. September 1924 lebte er auf dem Gut Blumendorf.
In den wirtschaftlichen nicht einfachen Jahren nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg kamen die Jenischs in starke finanzielle Bedrängnis. Sie verkauften Land, der Fideikommiss war gesetzlich aufgelöst. Im August 1927 schloss der Oberbürgermeister Max Brauer (SPD) einen Pachtvertrag mit den Erben für Park und Haus bis zum 1. April 1938.
Vom Gut Blumendorf aus verwaltete bis zu seinem Tod Johann-Christian Freiherr von Jenisch, die vor ihm erbberechtigten Brüder Wilhelm und Martin starben als Soldaten im Zweiten Weltkrieg. An den Sommern in den zwanziger Jahren erinnert sich Jenisch, der in Freiburg Jura studierte, auf meine Nachfrage gern: »In jenen Sommer waren die Familie von Juli bis September in dem großen Haus. Das waren herrliche Tage für uns. Als Kinder konnten wir in Teufelsbrück am Strand der Elbe baden.«
Mit dem Pachtvertrag wurde das Jenisch-Haus Teil des Altonaer Museums ausgestattet mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert, konnte bis 1933 besichtigt werden. Auch die Stadt Altona benutze das Haus für Empfänge. Mit dem Großhamburg-Gesetz von 1937, das zahlreiche offene Fragen hatte, wurde erst später das preußische Altona nach Hamburg eingemeindet. Für den Freiherrn Jenisch war bei meinem Gespräch ungeklärt, ob sein Bruder Haus und Park «freiwillig» oder ›mit Druck‹ verkauft hat. Bei den Fliegerangriffen im Juli 1943 auf Hamburg – Gomorrha bezeichnet – verbrannten in dem durch Bomben zerstörten Semperhaus in der Mönckebergstraße alle Unterlager der Jenisch über den Park und das Haus.
Aus dem Jahr 1938 wird eine Begebenheit kolportiert, die mir der Freiherr Jenisch erzählte. Auf einer Besichtigungsfahrt zeigte der Hamburger NSDAP-Bürgermeister Carl Wilhelm Krogmann seinem Führer Adolf Hitler den Jenischpark mit Herrenhaus. Die Universität nahe dem Dammtorbahnhof reichte für das »tausendjährige Reich nicht mehr aus«, hatte das den Jenischpark als Gelände für die Universität vorgesehen. Der Reichskanzler und oberster Parteigenosse mit großen Visionen bestärkte Krogmann sofort.
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Bis 1955 war das Jenisch Haus geschlossen, hatte eine wechselvolle Geschichte. Es hatte einen graugrünen Tarnanstrich, wurde Notunterkunft für ausgebombte Hamburger, die britische Besatzung zog ein, nach der Rückgabe zogen erneut wohnungslose wieder ein. Im Untergeschoss befand sich das Gartenbauamt.
Heute präsentiert das Altonaer Museum wieder Ausstellungen. Zwei weiter Museen bereichern den Park: Das Ernst Barlach Haus zeigt arbeiten des expressionistischen Künstlers Ernst Barlach, der von den Nazis verfemt wurde. Das Eduard Bargheer Museum seinen künstlerischen Nachlass, geboren 1901 auf der Elbinsel Finkenwerder, gestorben 1979 in Hamburg-Blankenese.
Nur an ausreichende Gärtner, die den Jenischpark von dieser Größe betreuen, wird leider gespart. Lesenwert.
khw
JENISCHPARK - Unerzählte Geschichten seit 1785
Herausgegeben von Hans-Jörg Czech, Anja Dauschek
und Nicole Tiedemann-Bischof
Dölling und Galitz Verlag in der Junis Verlag GmbH, Hamburg 2026
208 Seiten - sehr gut illustriert - 34,00 EUR
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