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30.03.2026
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Paul Ingendaay: Entscheidung in Spanien
Der große Kampf der Literatur 1936 -1939
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In diesem Jahr jährt sich zum 90. Mal, dass in Spanien am 17. Juli 1936 das Militär gegen die gewählte republikanische Regierung putschte. Drei Jahre später endete der Putsch in einer langen faschistischen Diktatur in Europa, die erst mit dem Tod von Francisco Franco am 20. November 1975 endete. Aber war es ein großer Kampf der Literatur wie der FAZ-Journalist Paul Ingendaay meint und schreibt? In der Tat haben Schriftsteller wie Thomas Mann und seine Kinder Erika und Klaus, Ernest Hemingway, George Orwell, Martha Gellhorn, Laurie Lee Almudena Grandes, Antonio Muñoz Molina, Jorge Semprún, Ilja Ehrenburg, Michail Kolzow, Wsewolod Witaljewitsch Wischnewski und Isaak Babel, Gustav Regler, Ludwig Renn und Georg Pichler über den Bürgerkrieg geschrieben. Dazu gehört auch Max Aub, der nicht nur das sechsbändige „El laberinto magico“ (Das magische Labyrinth) über den Bürgerkrieg schrieb. Aub war es, der nach der Bombardierung von Guernica am 26. April 1937 durch die Legion Condor Hitlers Luftwaffe aus Deutschland im Mai 1937 Pablo Picasso den Auftrag der spanischen Republik das anklagende Bild „GUERNICA“ für die Weltausstellung in Paris in diesem Jahr erteilte. Nur Max Aub wird nicht genannt. Ein Jahr später, 1938 bombardieren die italienischen Luftstreitkräfte „Aviazione Legionaria“ auf Befehl Benito Mussolinis der Stadt Alcañiz in der Provinz Teruel um Francos Truppen zu helfen. Auch dieser Angriff war Teil der faschistischen Strategie, den aufständischen Franco Truppen zu helfen. Die Folgen für Alcañiz es wurde schwer beschädigt.
Die Ursache des Spanischen Bürgerkriegs war, dass die Spanier die Monarchie am 14. April 1931 nach einer spontanen Volkserhebung in zahlreichen Städten des Landes, die Zweite Republik ausriefen. Der spanische König Alfons XIII. verließ fluchtartig das diktatorisch regierte Land, ohne auf seinen Thronanspruch zu verzichten. Die Macht hatte bis dahin im Land die konservative Katholische Kirche, eine kleine Gruppe von Großgrundbesitzern und das Militär. Gegen den Widerstand von ehemals Herrschenden setzt die Republik zahlreiche Reformen durch: Verkleinerung des Heeres, Katalonien und das Baskenland erhalten den Autonomiestatus. Auch eine Agrar- und Arbeitsreform wird verabschiedet, die Vorrechte der katholischen Kirche werden eingeschränkt und 1933 wird das Frauenwahlrecht eingeführt. 1934 kam ein rechtes Parteienbündnis an die Macht, die Reformen wurden sofort rückgängig gemacht.
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Am 16. Februar 1936 gewann die Volksfront, ein Zusammenschluss von Republikanern, Sozialisten, Syndikalisten, der Kommunistischen Partei Spaniens und der links Marxistischen POUM, die Parlamentswahlen. Dass der erste Putschversuch 1932 unter General José Sanjurjo gescheitert war, ist die Wahl vom Februar erneut ein Anlass einer nationalen Erhebung, zumal der rechts monarchistische Politiker José Calvo Sotelo am 13. Juli 1936 ermordet wurde. Am 17. Juli 1936 putschten die Generäle in der spanischen Kolonie Marokko gegen die gewählte Regierung. In Spanien schlossen sich von 21 Divisionsgeneräle nur vier an. Erfolg hatten die Putschisten in der Heimat von Franco in Galizien, León, Nordkastillien und in Teilen von Andalusien. Das Hauptquartier ist Burgos. Die Putschisten werden von Hitler-Deutschland und Mussolinis faschistischem Italien mit Waffen, Ausrüstung und Soldaten unterstützt. Das aufständische Spanien befand sich fest in den Händen der Generäle. Ihr Führer Francisco Franco krönte sich am 1. Oktober 1936 mit dem Titel Generalisímo.
Auf Hilfe von den demokratischen Staaten Frankreich und Britannien hoffte die Republik vergebens, sie hielten sich an das Nichteinmischungsabkommen, einzig die Sowjetunion und Mexico lieferten der Republik Waffen und Flugzeuge. Zur Hilfe kamen der bedrängten Republik ab Herbst 1936 Sozialisten, Kommunisten und Liberale aus Europa, USA, Kanada, Lateinamerika und Palästina, die sich Internationalen Brigaden nannten, von der 11. Internationalen Brigade Ernst Thälmann bis 15. Brigade mit Namen Abraham Lincoln.
Mit der Luftwaffe setzte das Deutsche Reich auch ihre Kriegsmarine darunter Panzerschiffe, Kreuzer, Torpedoboote und U-Boote als Hilfe für Franco ein. Am 31. Mai 1937 beschoss das Panzerschiff „Admiral Scheer“ Almeria in Andalusien, das der Hafen der Republik war.
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Durch die Hilfe von Nazi-Deutschland, dem Faschistischen Italien und den Diktator António de Oliveira Salazar von Portugal wurde das von der Republik gehaltene Spanien – auch wenn dazu Madrid gehörte – immer schmaler. Am 23. September verkündete der Ministerpräsident der Republik Juan Negrín vor dem Völkerbund in Genf die Auflösung der Internationalen Brigaden. Es war der Versuch der Republik den Bürgerkrieg zu beenden in dem auch Deutschland und Italien ihre Truppen zurückzuziehen, was nicht geschah. Am 28. Oktober 1938 verabschiedeten sich die Internationalen Brigaden mit einer Parade in Barcelona. Die Freiwilligen aus demokratisch regierten Staaten kehrten zurück, alle andere suchten Asyl in Drittländer Zuflucht.
Die letzte franquistische Offensive beginnt in Katalonien am 23. Dezember 1938. Am 9. Februar 1939 legen nach verlustreichen Kämpfen die Republikaner ihre Waffen an der Grenze La Junquera-Le Perthus nieder und wechseln die Grenze nach Frankreich ins Exil. Seit dem 1. April 1939 beherrscht Francisco Franco als Diktator Spanien. Zwei Tage nach dem Tod von Franco am 20. November1975 wird wie vom Diktator in seinem Testament bestimmt Juan Carlos I. der König von Spanien. Somit bestimmt Franco noch immer das Spanien von heute.
Paul Ingendaay wird mit seinem großen Kampf der Literatur von 1936 bis 1939 – war es nicht ein Kampf der Republik gegen die Diktatur – was sich in Spanien mit Hilfe aus Deutschland und Italien im Bürgerkrieg abspielte, nicht gerecht.
khw
Paul Ingendaay: Entscheidung in Spanien
Der große Kampf der Literatur 1936–1939
Verlag C.H. Beck, München 2026
352 Seiten – zahlreiche Fotos – 28,00 EUR
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