28.08.2023
MICHAEL BATZ: NULL UHR NEUNZEHN
HAMBURGER VERSUCHE, HEUTE NOCH ÜBER KRIEG UND FEUERSTURM ZU SPRECHEN

Mit dem Krieg von Russland gegen die Ukraine ist nach 80 Jahren Frieden Europa wieder Schauplatz eines Krieges in Europa. Vor einigen Wochen am 6. und 9. August 2023 gedachte die Welt den Opfern des A-Bombenabwurfs der Vereinigten Staaten von Nordamerika auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki kurz vor der Kapitulation des Landes. Den Befehl dazu gab US-Präsident Harry M. Truman im Juli 1945 von der der Potsdamer Konferenz, die im Schloss Cecilienhof tagte in Anwesenheit von Josef Stalin, Winston Churchill, später Clement Attlee. In diesem Jahr wurde bei den Gendenkfeiern, vom Generalsekretär der UNO, dem Portugiesen António Guterres und dem japanischen Ministerpräsidenten Fumio Hishida vergessen zusagen, wer die Atombomben in Japan geworfen hat. Vergessen wegen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine? Der Abwurf der A-Bomben hat den Krieg nicht mehr entschieden, so ist das us-amerikanischer Rassismus. Sollte das auch 2023 verschwiegen werden?

Der Autor Michael Batz, am 25. August 1951 in Hamburg geboren, studierte an der Universität in Marbach Germanistik, Geschichte und Philosophie. Er schloss 1976 mit dem ersten, drei Jahre später mit dem zweiten Staatsexamen ab. Seit 1976 lebt und arbeitet er in Hamburg. Heute tritt er hauptsächlich mit seinen Lichtinstallationen in Erscheinung. Seine erste Veröffentlichung ist „Das Haus des Paul Levy in der Rotenbaumchaussee 26“, eine Geschichte wie mit Beginn der NS-Herrschaft in Deutschland das Wohnhaus seine jüdischen Mieter verliert.

In seiner neuen Arbeit berichtet Batz über den apokalyptischen Feuersturm im Juli 1943 in Hamburg. Für den Autor ist das Zentrum des Gedenkens an das Flammenmeer Sommer 1943 der Turm der Nikolaikirche.

Auch ich habe das Tage danach gesehen, was der Feuersturm zerstörte. Wir, meine Mutter und ihre zwei Kinder, waren von Hamburg nach Forst/Lausitz wegen der Bomben evakuiert worden. Als meine Mutter im Radio von der Bombardierung Hamburgs hörte, fuhr sie mit mir im Zug nach Hamburg um zu sehen, ob unsere Wohnung die Flammennächte überstanden hat, auch ob ihre Mutter lebt. Mit dem Zug kamen wir bis Bergedorf. Mit einem LKW auf der Pritsche stehend ging es weiter in Richtung Stadt. Ab dem Stadtteil Billstedt fuhren an ausgebrannten Wohnhäusern bis zur U- und S-Bahnstation Berliner Tor vorbei.Ab hier Straßensperrung. Von der Bahnstation der S-Bahn konnte ich sehen, wie Männer in gestreiften Anzügen Leichen aus dem Maizena-Haus trugen. Jahre danach erfuhr ich, dass die Männer Häftlinge des KZ Hamburg-Neuengamme waren, die zu dieser Arbeit gezwungen wurden. Der Weg zur Wohnung in der Campestraße war gesperrt. Erst Wochen später, meine Großmutter kam zu uns nach Forst/Lausitz, hörten wir, dass ihre wie unsere Wohnung in einer Ruine standen.

Der Band NULL UHR NEUN ZEHN, herausgegeben vom Mahnmal St. Nikolai, führt den Leser ein in den Juli des Sommers 1943, der „Operation Gomorrha“ der englischen/us-amerikanischen Angriffen auf die Freie und Hansestadt Hamburg. Dabei wurden neben dem Hafen besonders als Ziele die Wohnquartiere der Arbeite und Angestellten in Hammerbrock, Wandsbek und Barmbek bombardiert.

Max Brauer, Erster Bürgermeister von Hamburg, sagte am 16. August 1952 bei der Einweihung des Mahnmals für die Opfer des Bombenkriegs auf dem Ohlsdorfer Friedhof: «Hab den Mut, das Sterben eurer Väter, Mütter, Brüder und Schwestern richtig zu deuten! Sie hätten nicht geopfert werden müssen. Nur weil man sich den Gewalttätern überantwortete, kam man die Gewalt über unsere Familien, und über unsere friedlichen Städte. Denn in einem freien Volke ist jeder für dieses Warum mitverantwortlich.»

Ein Buch, das den Hamburger Feuersturm gedenkt. Lesenswert.
khw


MICHAEL BATZ: NULL UHR NEUNZEHN
HAMBURGER VERSUCHE, HEUTE NOCH ÜBER KRIEG
UND FEUERSTURM ZU SPRECHEN
HERAUSGEBEN VOM FÖRDERKREIS ST. NIKOAI E.V.

DÖLLING UND GALITZ VERLAG, HAMBURG 2023
232 Seiten – reich illustriert – 25,00 EUR