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Ceuta im August 2026
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...und hier dieGeschichte
Der jüngste massenhafte Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta von Marokko begann Ende Juli 2026. In nur wenigen Stunden strömten Zehntausende Menschen aus dem Königsreich Marokko über den Landweg oder auch schwimmend auf das extrem gesicherte und von der Guardia Civil bewachte spanische Gebiet an der Küste von Marokko.
Die Geschichte Marokkos reicht von den frühen Berber-Kulturen über die antiken Reiche der Griechen und Römer, islamischen Dynastien bis zur konstitutionellen Monarchie heute. Es prägt nicht nur der Einfluss von Griechen und Römern, auch von Portugiesen und Spaniern, später auch von Franzosen. Im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung unterhielt das spanische Cádiz im Land eine Handelsstation.
Die portugiesische Kolonialgeschichte nahm ihren Anfang, nachdem die Araber aus dem Granada der Spanier und dem Algarve der Portugiesen vertrieben sind. Von nun ab bestimmt Rom wieder mit und nicht die Gebetsrufe vom Minarett das Leben auf der Iberischen Halbinsel. Portugal erobert um 1415 die Festung Ceuta am Küstenstreifen von Nordafrika. Es beginnen für Portugal die Jahre der Erkundungen. Mit dem Seeweg nach Indien mit dem das Zeitalter eingeleitet wird. Für Portugal endet es 1999 mit der letzten Rückgabe ihrer Überseeprovinz Macao an die Volksrepublik China.
Nachdem Vasco da Gama 1489 den Seeweg um das Cap der Guten nach Calicut – heute Kozhikode an der Malabarküste des indischen Bundesstaats – gefunden hatte, wurde das kleine Portugal zu einer führenden Handels- und Seemacht der Alten Welt. Am Seeweg entstanden aufgrund der geringen Bevölkerung Portugals nur punktuell an wichtigen Orten Niederlassungen für den Handel. Im Jahr 1580 übernimmt Spanien nach dem Tod des portugiesischen Königs Sebastian I. der in der Schlacht von Alcácer-Quibir 1578 ums Leben kam, der spanische König Philipp II. in Personalunion auch den portugiesischen Thron. Im Zuge der Annexion Portugals bekommt Spanien die Kontrolle über Ceuta bis heute. In den Restaurationskrieg 1640 spaltete sich Portugal erneut von Spanien ab. Erst der Friede von Lissabon am 13. Februar 1668 beendet die Jahrzehnte langen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern. Spanien erkennt die vollständige Unabhängigkeit Portugals an und die neue Königsdynastie, das Haus Baranças. So endete die seit 1580 de facto und de jure zeitweise bestehende spanisch-portugiesische Bindung endgültig.
Wie Portugal kämpft auch Katalonien mit einem starken historischen Bewusstsein seit 1640 um die Befreiung von der Vorherrschaft Spaniens. Dabei gab es in Katalonien große soziale Unruhen besonders zu Beginn des sogenannten Kriegs der Schnitter – in katalanisch „segadors“. Frankreich unterstützte die aufständischen Katalanen gegen Spanien. Dieser Konflikt hat auch Auswirkungen auf Europa, auf die Friedensverhandlungen 1640 in Münster/Westfahlen. Er hat tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis der Spanier, Katalanen und Portugiesen hinterlassen. Als Staat ging Kataloniens Eigenständigkeit 1714 endgültig zu Ende, es wurde durch die Gesetze von Nueva Planta vollständig in das zentralistische Spanien eingegliedert.
Auch in diesem Jahrhundert scheiterte ein Versuch die Unabhängigkeit zu erlangen. In diesem Jahrhundert. Im Jahr 2017 wurde in Katalonien versucht ein Referendum durchzuführen. Urheber des Plans war der vom katalanischen Parlament gewählte konservativ-nationalistische Präsident Carles Puigdemont. Dabei war vom Verfassungsgericht das Referendum verboten worden. Trotz breiter Zustimmung kam es zu Prozessen mit drakonischen Strafen. Noch immer verfolgt die rechtslastige Justiz, von der Partido Popular gedrängt, Carles Puigdemont ins Gefängnis zu bringen, was bis heute nicht gelang.
Seit Ende Juli füllen immer neue Tatarenmeldungen aus Ceuta die Titelseiten der Zeitungen. In einem Leserbrief an die Neue Zürcher Zeitung – in den 60 Jahren eine liberale Meinungszeitung – heute dem Schweizer Rechtsdrall der Schweizer Volkspartei eine Heimat, schreibe ich: „Der Zustand von Ceuta und Melilla bleibt ein Zankapfel und ist der Stachel in ein arabisches Land, für mich eine Form von Kolonie. Kolonien unterhalten u. a. England, die Niederlande und Frankreich mit dem Weltraumbahnhof Kourou in französisch Guayana in Südamerika. Es ist ein vollwertiges Überseedepartement, somit eine Region Frankreichs. Mit diesem Status verschleiert Frankreich seine Kolonie.“
Vom 31. Juli begleite ich den Konflikt um Ceuta mit der Neuen Zürcher Zeitung und der jungen Welt aus Berlin. Zu Beginn vermittelten die Vorgänge in Ceuta den Eindruck hier treibe der US-Geheimdienst gemeinsam mit israelischen dem Mossad von Israel ein gemeinsames Spiel gegen den Ministerpräsidenten Pedro Sánchez von der Partido Socialista Obrero Español (PSOE), kein Freund des US-Präsidenten Donald Trump und des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit dem Spitznamen „Bibi“, der die reine jüdische Lehre vertritt, gegen alles kämpft, was sich arabisch nennt. Dazu das Beispiel Gaza – das einem Völkermord gleich von israelischen Militär angerichtet wurde mit Billigung zahlreicher Regierungsführer weltweit.
Am 31. Juli schreibt die NZZ auf Seite 3 unter „Alarmzustand in der spanischen Exklave Ceuta“: Hunderte Migranten umschwimmen innerhalb kurzer Zeit die Grenzzäune, um auf den Boden der EU zu gelangen. Die NZZ-Autorin Julia Monn teilt den Lesern mit: „Ceuta gehört zu Spanien und ist deshalb ein beliebtes Ziel für Migranten, die irregulär in die EU einreisen wollen. Die Exklave ist mit massiven Grenzschutzanlagen, die zum Teil von der EU bezahlt wurden.“ Kein Wort davon das die EU diese Grenzschutzanlagen zahlte. Weiter heißt es: „In den Medien sprachen Sicherheitskräfte vor Ort von einer «kritischen Lage und von Chaos», mindestens sieben Personen seinen beim Übersetzen gestorben.“ Als Illustration das entsprechende AP-Foto. Am 1. August erscheint keine NZZ wegen des Feiertages, dem Rütli-Schwur der Eidgenossen. In Berlin der erschien an diesem Tag die Wochenendausgabe der jungen Welt mit der Headline: „Flucht in die Exklave“. Die Autorin Carmela Negrete berichtet aus Sevilla: „Spanien: Tausende Menschen versuchen, vor der Not in Marokko nach Ceuta zu fliehen.
Die Staaten der EU antworten mit Härte.“ In dem sachlichen Beitrag heißt es weiter: „Bis tief in die Nacht kamen sie angeschwommen – mit Gummiringen, Schwimmflossen und Neoprenanzügen. Auch Frauen und kleine Kinder waren dabei.
Bis zu 60.000 Menschen sollen in den vergangenen Tagen versucht haben, auf spanisches Territorium und in die EU zu gelangen – genauer in die Exklaven Ceuta und Melilla. Wie viele dabei ertrunken sind, ist bisher nicht klar.“ Weiter an anderer Stelle: „Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden spanischen Exklaven eine derartige »Migrationskrise« erleben.“ Illustriert ist der Beitrag mit einem Foto mit Titel „Verstärkter Einsatz der Staatsgewalt gegen Geflüchtete aus Marokko, Ceuta, 30.7.2026.“
Am Montag, dem 3. August berichtet die NZZ wieder nach dem Feiertag unter der Schlagzeile: „Ceuta befürchtet mehre hundert Ertrunkene. Spanien steht nach Ansturm von Migranten auf seine Exklave in Afrika unter Schock.“ Nun berichtet der NZZ-Korrespondent Florian Haupt aus Barcelona. Er teilt den Lesern mit: „Die Stimmung in Spanien schwankt zwischen Trauer, Schock und Zorn. König Felipe zeigte sich «indigniert» über den massiven Ansturm von bis zu 60 000 Menschen, die besonders am Donnerstag zu Wasser und zu Land aus Marokko die Grenze überwunden hatten“. Der Autor stellt fest: „Die Flüchtlinge, die vergangene Woche nach Ceuta kamen, nahmen für den Traum von Europa teilweise eine riskante, kilometerlange Schwimmstrecke in Kauf.“
Anders die junge Welt. Am 3. August schreibt C. Negrete unter „Hysterie in der Festung“ Spanien: Dutzende Menschen kommen auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Madrid aufgebracht über Reaktion der EU. Die Spanierin schreibt: „In Europa wird über einen »Ansturm« und eine »Invasion« berichtet. Es geht aber um Personen mit Angehörigen, Freunden, Träumen von einer Zukunft. 72 von geschätzten 60.000 Menschen kamen am Donnerstag ums Leben. Sie hatten versucht, schwimmend oder über Schutzzäune hinweg spanisches Territorium in der Enklave Ceuta in Nordafrika zu erreichen. Das Meer spülte Dutzende Leichen an den Strand: meist namenlose Minderjährige, von denen man nicht weiß, warum sie nach Ceuta wollten. Es wurde auch nicht bekannt, ob Verwandte gesucht und informiert werden. Wie die lokale Zeitung EL Faro berichtete, wurden zwei Jugendliche, die nicht identifiziert werden konnten, sogleich mit den Nummern 5-393 und 5-394 begraben.“
In diesem Stil geht die Berichterstattung, mit Betroffenheit im Berliner Blatt weiter, bis die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG am 7. August 2026 auf Seite 10 berichtet unter der Überschrift: Von Madrid im Stich gelassen. Der Korrespondent für Spanien, Portugal und den Maghreb, Hans-Christian Rößler, schreibt: „Juan Jesús Vivas hat schon gewarnt, bevor es richtig losging. Bereits vor dem 30. Juli schwammen immer mehr Marokkaner und Migranten nach Ceuta. Doch wie so oft stießen seine Notrufe auf taube Ohren. Am Donnerstag sucht der Regionalpräsident von Ceuta König Felipe VI. auf, um ihn einen Eindruck von der Lage der Stadt am südlichen Mittelmeerufer zu vermitteln, die weiter dramatisch ist: Von der Rückkehr zum Alltag, die die Zentralregierung in Madrid verkündet hat, könne angesichts von 6000 Migranten in den Straßen noch keine Rede sein, sagt Vivas. Seit 2001 ist der 73 Jahre alte Politiker der rechten Partido Popular Regierungschef der 84.000 Einwohner zählenden spanischen Stadt Ceuta. Die PP bremste ein Gesetz aus das nicht nur für Ceuta, auch für Melilla und die Kanaren überlebenswichtig ist. Mit einem Schlüssel sollte eine Umverteilung von minderjährigen Migranten in Spanien durchgeführt werden.“ Doch vier von der PP gemeinsam mit der rechtspopulistischen Vox regierte Regionen stellten sich quer. Somit sind die marokkanischen jugendlichen Flüchtlinge ein zentrales Thema zwischen den spanischen Sozialdemokraten und der Partido Popular, in der noch immer franquistische Ansichten und Meinungen vorhanden sind. So ist in Ceuta neben der Guardia Civil, der Policia National auch die Fremdenlegion – kurz „Légion“ – eine Eliteeinheit mit dem HQ in Málaga, stationiert.
Wer die über 50.000 Migranten auf den Weg nach Ceuta brachte, ist noch ungeklärt. In einem Beitrag in der FAZ vom 10. August fordert der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) und ihr Vorsitzender im EU-Parlament Manfred Weber „Return Hubs“ in Afrika. Unmenschlicher kann keine Forderung des Mitglieds der christlichen sozialen Partei CSU nicht sein.
khw |
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jugendliche Flüchtlinge aus Marokko
Zeltlager
Flüchtlinge am Strand
Die Mitglieder der Regierung von Ceuta tagen
Präsident von Ceuta Juan Jesús Vivas, das Mitglied der Partido Popular sieht aus wie ein Rentner in guten Tuch mit seinen 73 Jahren
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