29.06.2026
Hamburger Korrespondenz im Juli 2026

Eine Tatarenmeldung aus dem Spiegel-Haus in Hamburg?
Am 18. Juni 2026 veröffentlichte das Manager Magazin (MM), das im Verlag Der Spiegel erscheint, die Meldung, die nicht nur für Unruhe sorgte in der Hansestadt Hamburg: Die Schweizer Reederei Mediterranean Shipping Company (MSC) ist dabei, eine Beteiligung an seinem Rivalen HAPAG-LLOYD anzustreben. Auf der Stelle kamen am nächsten Tag vom Ballindamm, dem Sitz der Hapag-Lloyd, und dem MSC Sitz in Genf, die Dementis. Bekanntlich haben Meldungen auch eine eigene Dynamik.

Der Reeder der MSC, Gianluigi Aponte, 1940 in Sorrent / Italien geboren, erlernte den Beruf eines Seemanns, macht sein Offizierspatent, fuhr als Kapitän auf Kreuzfahrschiffen. Dabei lernte er seine Ehefrau, die Bankierstochter Rafaela Diamant Pinas kennen. Er zog zu ihr nach Genf, wo er für das Anlageunternehmen Investors Overseas Services (IOS) von Bernhard Cornfields arbeitete. Im Jahr 1970 gründete Aponte in Neapel die Reederei MCS, die später zum heutigen Sitz nach Genf umzog. Der MSC-Chef Aponte wird in der Branche als »Kapitän Nimmersatt« bezeichnet.

Die Tabelle der größten Container-Reedereien führt die MSC mit 976 Schiffen an. Es folgt auf Platz 2 die Reederei A.P. Møller-Mærsk aus Dänemark, dann CMA CGM Group aus Frankreich, gefolgt von der Cosco Shipping Co Ltd. aus China. Auf Rang 5 Hapag-Lloyd mit 287 Containerschiffen. Größter Anteilseigner bei der Hamburger Reederei ist der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, der in der Schweiz seinen Wohnsitz hat. Beteiligt mit einem Anteil wie Kühne ist die chilenische Reederei Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV), sie wurde vor 12 Jahren von Hapag-Lloyd übernommen. Hamburg besitzt eine Beteiligung von 13,9 Prozent, weitere Anteile von 22,5 Prozent halten Katar und Saudi-Arabien. Zwischen Kühne und der CSAV besteht bis zum Jahr 2030 ein Vertrag, in den man sich verpflichtet, im Konzern gemeinsam zu arbeiten.

Für Hapag-Lloyd kommt das Gerücht zur unpassenden Zeit. Mit der Reederei Møller-Mærsk hat sich die Hamburger Reederei auf das Bündnis Gemini eingelassen, das in den Nordseehäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven erste Erfolge einer Linienverlässlichkeit verbucht. Dazu kommt ein Bündnis mit Indien, um die maritime Zusammenarbeit zu stärken wie den wachsenden Schifffahrts- den Logistiksektor zu unterstützen. Auch verfolgt Hapag-Lloyd noch immer den Erwerb mit 4,2 Milliarden US$ der israelischen Reederei ZIM, der noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll.

Im April 2026 gab die Reederei MSC bekannt, dass die Anteile von Gianluigi Aponte im letzten Quartal 2025 an seine Kinder Diego Aponte und Alexa Avonte Vago übergeben hat. Was wird, werden wir sehen.
khw


SINGAPORE EXPRESS der Reederei Hapag-Lloyd