10.01.2016
Werner Abel & Enrico Hilbert: Deutsche im spanischen Bürgerkrieg - Biografisches Lexikon

Ein Lexikon bei der Aufarbeitung des spanischen Bürgerkriegs fehlte bisher, nun ist im Verlag Edition AV der 1. Band erschienen. Im Vorwort heißt es: „Der Sieg der Volksfront bei den Wahlen vom 16. Februar 1936 hatte erstmals in Spanien eine von linken Parteien gebildete Regierung ermöglicht, deren Machtantritt auch der Beginn einer sozialen Revolution zu sein schien.“ Das wollten die Generäle mit ihrem Putsch vom 18. Juli 1936 beenden und führt in Europa und Amerika zu einer breiten Solidaritätswelle. Freiwillige aus 50 Nationen waren bereit, der bedrängten spanischen Republik beizustehen. Unter diesen waren etwa 4500 Deutsche, Österreicher wie auch Schweizer, die mit der Waffe in der Hand die spanische Republik zwischen Atlantik und Mittelmeer zu schützen. Die Mehrzahl folgten dem Aufruf der KP, dabei waren auch Anarchisten, Individualisten und welche, die eine andere Alternative suchten. Einzig die DDR ehrte die Spanienkämpfer. Anders in der BRD, hier hatten nur Sozialdemokraten eine Chance, daß ihrer Wiedergutmachung und Rentenansprüchen entsprochen wurde.

Kommunisten gingen in der Regel leer aus. In der Schweiz wurden die zurückkehrenden Spanienkämpfer regelmäßig zu mehrmonatigem Gefängnis verurteilt. Am 12. März 2009 schrieb die Neue Zürcher Zeitung: „Die Strafurteile gegen die Schweizerinnen und Schweizer, die im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft haben, werden aufgehoben. Nach dem Nationalrat hat sich am Donnerstag auch der Ständerat einstimmig für die Rehabilitierung ausgesprochen. In der kleinen Kammer waren aber auch kritische Töne zu hören. Hansheiri Inderkum (Uri, cvp.) betonte, die Urteile seien damals rechtmäßig gefällt worden. Hannes Germann (Schaffhausen, svp.) hatte Mühe, eine jahrzehntealte Rechtspraxis umzustoßen und im Nachhinein die Geschichte umzuschreiben. Laut Germann war der Spanische Bürgerkrieg nicht ein reiner Kampf zwischen liberaler Demokratie und Faschismus. Die Republikaner seien von Stalin aufmunitioniert worden und hätten ein linkes Einparteiensystem einführen wollen.

Auch die Republikaner hätten schreckliche Verbrechen verübt. Trotz diesen Bedenken wurde die Vorlage oppositionslos verabschiedet. Sie geht auf eine Initiative von Nationalrat Paul Rechsteiner (St. Gallen, sp.) zurück. Nach seiner Begründung haben die Spanienkämpfer 1936-1938 auch die Freiheit der schweizerischen Demokratie verteidigt. Auch eine Interessengemeinschaft Spanienfreiwillige setzt sich für die Rehabilitierung der Spanienkämpfer ein. Sie hat im Internet die Namen der rund 800 Schweizerinnen und Schweizer aufgeführt, die in Spanien die Republik gegen die aufständischen Militärs unter General Francisco Franco unterstützt haben. Über die Hälfte der Freiwilligen, die nach dem Sieg Francos in die Schweiz zurückkehrten, wurden von Divisionsgerichten wegen fremder Kriegsdienste zu Haftstrafen verurteilt. Zu einer Rehabilitierung kam es trotz verschiedener parlamentarischer Vorstöße bisher nicht.“ Schweizer, die sich für die Schweizer Garde verpflichteten hatten im Gegensatz zu den Spanierkämpfern nichts zu befürchten – der katholische Glaube heilte hier wohl.

Noch immer wird in der Bundesrepublik der antifaschistische Widerstand in Spanien offiziell nicht gewürdigt. Kein Zufall war es, daß auch Spanienkämpfer als Abgeordnete in den 1. Deutschen Bundestag gewählt waren. Einen von ihnen Peter Blachstein, geboren am 30. April 1911 kannte ich. Ab 1949 war er, ein linker Sozialdemokrat, der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 20, Hamburg-Eimsbüttel. In den 50er Jahren war ich Mitglied der Jungsozialisten. Peter Blachstein war es, der uns von seiner Zeit im antifaschistischen Kampf in Spanien erzählte, auch von Ernst Busch, dem Barikaden Tauber. Auch meine Familie ist betroffen vom spanischen Bürgerkrieg. Mein Onkel Gustav – wie mein Vater war er Mitglied der KPD und des ASV Fichte, emigrierte 1934 in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. 1936 ging er nach Spanien, gehörte dem Ernst Thälmann-Bataillon an, gefallen im März 1937 am Jamara. Im Lied »Am Rio Jarama« heißt an einer Stelle: »Wir deckten die Straße, wir schützten Madrid, wir hielten die Arganda-Brücke.« Mein Vater saß für seinen Bruder 6 Wochen in Gestapohaft. An diesem Gebäude, von der Hansestadt privatisiert, befindet sich kein Hinweis auf die ehemalige Hamburger Gestapo Zentrale und Gefängnis.

Ein biografisches Lexikon das den Versuch unternimmt, Biografien mit dem politischen Engagement damals und heute darzustellen.
khw


Werner Abel / Enrico Hilbert: Sie werden nicht durchkommen!
Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution. Band 1
Verlag Edition AV – Lich / Hessen 2015
569 Seiten – 45,00 Euro